Heizung entlüften
Dreh die Heizung voll auf und warte, bis sie warm wird. Schließe dann das Thermostat, halte ein Gefäß unter das Entlüftungsventil und öffne es mit dem Vierkantschlüssel, bis blasenfrei Wasser austritt. Ventil schließen, Wasserdruck am Manometer prüfen und bei Bedarf Wasser nachfüllen.
Für diese Arbeit brauchst du keine Spezialwerkzeuge und arbeitest nicht an spannungsführenden Teilen. Nimm dir trotzdem die fünf Minuten für die Vorbereitung — die meisten Fehler passieren aus Eile.
Werkzeug & Material
- Heizkörper-Entlüftungsschlüssel — Vierkant, wenige Euro im Baumarkt
- Kleines Gefäß oder Becher — für austretendes Wasser
- Lappen oder Tuch — Tropfen aufnehmen
- Eimer Wasser / Nachfüllschlauch — falls Druck zu niedrig
Warum überhaupt Luft in die Heizung kommt
Eine Warmwasserheizung ist ein geschlossener Kreislauf — trotzdem sammelt sich mit der Zeit Luft darin. Das hat drei Hauptgründe: Beim Nachfüllen von Wasser kommt gelöste Luft mit ins System; aus frischem Füllwasser perlt beim Erwärmen Sauerstoff aus (warmes Wasser kann weniger Gas binden als kaltes); und über Dichtungen, Ventile und nicht-diffusionsdichte Kunststoffrohre dringt langsam Luft nach. Diese Luft steigt nach oben und sammelt sich an den höchsten Punkten der Anlage — und das sind oft die Heizkörper, vor allem in den oberen Etagen.
Die Folgen kennst du wahrscheinlich: Der Heizkörper gluckert und rauscht, er wird oben kalt und nur unten warm, einzelne Räume bleiben kühl, obwohl die Heizung läuft — und die Umwälzpumpe muss gegen das Luftpolster arbeiten, was Strom kostet. Entlüften behebt all das in wenigen Minuten und ist die wirkungsvollste Wartung, die du selbst gefahrlos erledigen kannst: Es ist nur warmes Wasser, kein Strom im Spiel.
Das brauchst du — und wann der beste Zeitpunkt ist
Ausrüstung: ein Entlüftungsschlüssel (Vierkant, wenige Euro im Baumarkt — manche neueren Ventile lassen sich auch mit einem Schlitzschraubendreher öffnen), ein kleines Gefäß oder einen Becher für das austretende Wasser und einen Lappen. Wer danach Wasser nachfüllen muss, hält den Füllschlauch bereit.
Der beste Zeitpunkt ist der Beginn der Heizsaison im Herbst — einmal jährlich reicht in der Regel. Zwischendurch entlüftest du immer dann, wenn ein Heizkörper gluckert oder oben nicht mehr warm wird. In Mehrfamilienhäusern oder bei mehrgeschossigen Häusern arbeitest du dich von unten nach oben vor: erst die Heizkörper im Erdgeschoss, dann die oberen. So drückst du die Luft nicht in bereits entlüftete Heizkörper zurück.
Schritt für Schritt
Plan rund 15 Minuten pro Heizkörper ein. Gefährlich ist daran nichts — wenn du das Thermostat vorher zudrehst, ist das austretende Wasser nur warm, nicht heiß genug zum Verbrühen.
Heizung voll aufdrehen und warten
Stell alle Thermostate für 15–30 Minuten auf die höchste Stufe. Das Wasser zirkuliert, erwärmt sich und treibt die Luft nach oben in die Heizkörper — genau dorthin, wo das Entlüftungsventil sitzt. Dieser Schritt ist wichtig: Bei kalter Anlage steht die Luft verteilt im System, erst der warme Umlauf sammelt sie oben.
Pumpe ausschalten oder Thermostat schließen
Damit sich das Wasser beruhigt und die Luft sich klar oben sammelt, schalte — wenn du an die Umwälzpumpe kommst — diese kurz aus und warte ein paar Minuten. Kommst du nicht heran oder bist unsicher, dreh einfach das Thermostat des betroffenen Heizkörpers ganz zu. Eine laufende Pumpe wirbelt die Luft sonst immer wieder ins Wasser und du bekommst sie nicht vollständig heraus.
Ventil finden und Gefäß bereithalten
Das Entlüftungsventil ist die kleine Vierkant-Schraube oben am Heizkörper, auf der dem Thermostat gegenüberliegenden Seite. Halte den Becher direkt darunter und den Lappen bereit — es kann spritzen und tropfen. Setze den Entlüftungsschlüssel fest auf den Vierkant.
Ventil öffnen und Luft ablassen
Dreh den Schlüssel eine Viertel- bis halbe Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn — nicht weiter, sonst fällt das Ventil heraus. Es zischt hörbar: Das ist die entweichende Luft. Lass das Ventil so lange offen, bis statt Luft ein gleichmäßiger, blasenfreier Wasserstrahl kommt. Erst dann ist der Heizkörper vollständig entlüftet.
Ventil schließen und Druck prüfen
Sobald nur noch Wasser austritt, dreh das Ventil wieder zu — handfest, nicht mit Gewalt. Schalte die Pumpe wieder ein und sieh auf das Manometer am Heizkessel. Durch die entwichene Luft und das abgelassene Wasser ist der Druck gesunken. Liegt er unter etwa 1,5 bar, fülle vorsichtig Wasser nach, bis der Zeiger im grünen Bereich (meist 1,5–2,0 bar) steht.
Anlagendruck verstehen und Wasser nachfüllen
Der Wasserdruck ist die zweite Hälfte der Aufgabe. Faustregel für den Solldruck bei kalter Anlage: 1,0 bar Grunddruck plus 0,1 bar je Stockwerk über dem Heizkessel. Ein zweigeschossiges Einfamilienhaus liegt also typisch bei 1,5–1,8 bar. Im warmen Betrieb steigt der Druck durch die Ausdehnung des Wassers um 0,2–0,3 bar an — das ist normal.
Zum Nachfüllen schließt du den Füllschlauch an den Kaltwasseranschluss und den Füll- und Entleerhahn (KFE-Hahn) am Kessel an, füllst den Schlauch erst mit Wasser (damit keine neue Luft mitkommt) und öffnest dann langsam den Hahn. Beobachte das Manometer und schließe bei Erreichen des Sollwerts. Lieber in kleinen Schritten als überfüllen — zu viel Druck lässt im Betrieb das Sicherheitsventil ansprechen. Nach dem Nachfüllen lohnt eine zweite Entlüftungsrunde, weil mit dem Wasser wieder etwas Luft ins System gelangt ist.
Sonderfälle
- Oberste Etage / höchster Heizkörper: Hier sammelt sich die meiste Luft. Entlüfte ihn zuletzt und oft am gründlichsten.
- Automatische Entlüfter: An manchen Anlagen sitzen Schnellentlüfter am höchsten Punkt, die selbsttätig arbeiten. Funktioniert ein Heizkörper trotzdem nicht, entlüftest du ihn zusätzlich von Hand.
- Fußbodenheizung: Sie wird nicht am Heizkörper, sondern am Heizkreisverteiler über die dortigen Entlüfter bzw. durch Spülen der Kreise entlüftet — ein eigener Vorgang.
- Handtuchheizkörper im Bad: Wegen ihrer Form sammelt sich Luft gern in den oberen Querrohren — hier hilft konsequentes Aufdrehen vor dem Entlüften besonders.
Wenn es nicht klappt
Es kommt gar kein Wasser, nur Luft (oder nichts). Der Druck in der Anlage ist zu niedrig. Fülle erst Wasser nach (Manometer beobachten), dann entlüftet sich der Heizkörper richtig.
Sofort kommt Wasser, keine Luft — und der Heizkörper bleibt trotzdem kalt. Dann liegt es nicht an Luft. Meist fehlt der hydraulische Abgleich (entfernte Heizkörper werden unterversorgt), oder der Stift im Thermostatventil klemmt nach dem Sommer fest. Den Stift findest du unter dem abgezogenen Thermostatkopf; vorsichtig mehrmals eindrücken macht ihn oft wieder gängig.
Nach dem Entlüften gluckert es nach kurzer Zeit wieder. Etwas Restluft ist normal — wiederhole den Vorgang nach ein paar Stunden Heizbetrieb. Tritt das Problem regelmäßig auf, zieht die Anlage über eine undichte Stelle oder ein defektes Ausdehnungsgefäß ständig Luft nach. Das ist ein Fall für den Fachbetrieb.
Der Druck fällt nach jedem Entlüften stark ab und muss oft nachgefüllt werden. Häufiges Nachfüllen ist ein Warnzeichen — meist ist das Ausdehnungsgefäß defekt oder es gibt ein Leck. Nicht dauerhaft nachfüllen, sondern prüfen lassen, sonst korrodiert die Anlage durch den ständigen Frischwasser- und Sauerstoffeintrag.
Häufige Fragen
In der Regel einmal pro Jahr, am besten zu Beginn der Heizsaison im Herbst. Gluckert ein Heizkörper oder wird oben nicht warm, lüfte ihn auch zwischendurch.
Typische Zeichen: Der Heizkörper gluckert oder rauscht, er wird oben kalt und nur unten warm, oder einzelne Räume werden nicht mehr richtig warm, obwohl die Heizung läuft.
Oft ja. Durch die entwichene Luft und das abgelassene Wasser sinkt der Druck. Liegt das Manometer unter etwa 1,5 bar, fülle vorsichtig Wasser nach, bis der Zeiger im grünen Bereich steht.
Bei mehrgeschossigen Häusern von unten nach oben: erst die Heizkörper im Erdgeschoss, dann nach oben arbeiten. So drückst du die Luft nicht in bereits entlüftete Heizkörper zurück.
Kommt sofort blasenfrei Wasser und bleibt der Heizkörper kalt, liegt es nicht an Luft. Dann ist meist der hydraulische Abgleich nötig oder das Thermostatventil klemmt.