Balkonkraftwerk-Rechner
Jahresertrag, Eigenverbrauch und Amortisation eines Steckersolar-Geräts.
Was das Ergebnis bedeutet
Ein Balkonkraftwerk (Steckersolar) speist seinen Strom direkt ins Hausnetz ein und senkt deine Grundlast — also alles, was ohnehin läuft: Kühlschrank, Router, Standby. Entscheidend für die Ersparnis ist nicht nur der Ertrag, sondern wie viel davon du selbst verbrauchst. Was du gerade nicht nutzt, fließt ungenutzt ins Netz.
Der Rechner schätzt den Jahresertrag aus Modulleistung, Ausrichtung und Region, multipliziert mit deiner Eigenverbrauchsquote und dem Strompreis. Daraus ergibt sich die jährliche Ersparnis und — mit den Anschaffungskosten — die Amortisationszeit.
Wp und kWh — die zwei Zahlen verstehen
Bei Solarstrom werden ständig zwei Größen verwechselt
- Wattpeak (Wp) — die Leistung der Module unter Normbedingungen. „800-Wp-Anlage" heißt: maximal 800 Watt bei voller Sonne. Es ist eine Spitzen-, keine Dauerleistung.
- Kilowattstunde (kWh) — die Energiemenge übers Jahr. Sie entscheidet über die Ersparnis und hängt von Sonnenstunden, Ausrichtung und Verschattung ab.
Die Faustregel für Deutschland
Ein Kilowattpeak liefert bei guter Südausrichtung rund 950–1.050 kWh im Jahr. Eine 800-Wp-Anlage bringt also grob 600–800 kWh — je nach Region (Süddeutschland mehr als die Küste) und Ausrichtung. Wichtig: Module dürfen heute mehr Leistung haben als der Wechselrichter (z. B. 1.000 Wp Module an 800 W Wechselrichter), was den Ertrag an trüben Tagen verbessert.
Eigenverbrauch — der eigentliche Hebel
Anders als bei der Dach-PV gibt es für Balkonkraftwerke meist keine Einspeisevergütung — überschüssiger Strom fließt unentgeltlich ins Netz. Deshalb zählt jede selbst genutzte Kilowattstunde doppelt
Nur der eigenverbrauchte Strom spart bares Geld (den vollen Bezugspreis von ~35 ct). Was du ins Netz schickst, ist verschenkt. So hebst du die Eigenverbrauchsquote:
- Grundlast abdecken — Kühlschrank, Router, Gefriertruhe und Standby laufen ohnehin tagsüber und „fangen" den Solarstrom.
- Verbraucher in die Sonne legen — Wasch- und Spülmaschine per Timer auf die Mittagsstunden programmieren.
- Ost/West statt nur Süd — verteilt den Ertrag auf Morgen und Abend, wenn eher jemand zu Hause ist; das hebt oft die genutzte Menge stärker als die reine Spitzenleistung.
Formel & Beispiel
Ersparnis = Ertrag × Eigenverbrauch × Strompreis
Beispiel: 800 Wp, Ost/West (0,85), Mitte (1.000 kWh/kWp), 65 % Eigenverbrauch, 35 ct.
Ersparnis = 680 × 0,65 × 0,35 € = 155 €/Jahr → bei 500 € ~ 3,2 Jahre
Ertrag nach Ausrichtung
Spezifischer Ertrag rund 1.000 kWh/kWp (Mitteldeutschland), 800 Wp-Anlage.
| Ausrichtung | Faktor | Ertrag/Jahr |
|---|---|---|
| Süd, ~30° geneigt | 1,0 | ~ 800 kWh |
| Ost oder West | 0,85 | ~ 680 kWh |
| Süd, senkrecht (Balkon) | 0,7 | ~ 560 kWh |
| Nord | 0,6 | ~ 480 kWh |
Seit 2024 sind bis 800 W Wechselrichterleistung erlaubt; die Anmeldung erfolgt vereinfacht im Marktstammdatenregister. Ein Schuko-Anschluss ist verbreitet — die Energiekosten-Slot dieser Seite verweist auf passende Sets.
So nutzt du das Ergebnis
Je höher dein Eigenverbrauch, desto schneller rechnet sich die Anlage. Verschiebe Verbraucher in die Mittagszeit (Waschmaschine, Geschirrspüler per Timer), dann steigt die genutzte Menge. Für ganze Dächer mit Speicher rechne mit dem Photovoltaik-Rechner, deine Gesamt-Stromkosten mit dem Stromkosten-Rechner.
Was seit dem Solarpaket I gilt
Seit 2024 ist der Betrieb eines Balkonkraftwerks deutlich einfacher geworden:
- 800 W Wechselrichterleistung sind erlaubt (vorher 600 W), die Modulleistung darf bis 2.000 Wp betragen.
- Vereinfachte Anmeldung nur noch im Marktstammdatenregister — die separate Meldung beim Netzbetreiber entfällt.
- Übergangsweise zulässig ist der Betrieb auch an einem rückwärtsdrehenden Ferraris-Zähler, bis der Netzbetreiber einen modernen Zähler tauscht.
- Schuko-Einspeisung wird geduldet; eine spezielle Einspeisesteckdose (Wieland) ist die sicherere, aber nicht zwingende Variante.
Auch Mieter und Wohnungseigentümer haben seither einen gesetzlichen Anspruch auf Zustimmung zur Steckersolar-Anlage — Vermieter oder Eigentümergemeinschaft dürfen sie nur aus wichtigem Grund verweigern.
Zweites Beispiel: Süd-Balkon, wenig zu Hause
800 Wp senkrecht am Süd-Balkon (Faktor 0,7), nur 45 % Eigenverbrauch (tagsüber meist niemand da), 35 ct, Anschaffung 450 €:
Ersparnis = 560 × 0,45 × 0,35 € = 88 €/Jahr → ~ 5,1 Jahre
Selbst im ungünstigen Fall amortisiert sich die Anlage gut innerhalb ihrer Lebensdauer von 20+ Jahren — danach ist der Strom faktisch geschenkt. Mit besserer Ausrichtung und höherem Eigenverbrauch sinkt die Amortisation schnell unter vier Jahre, wie das erste Beispiel zeigt.
Häufige Fehler
Mit 100 % Eigenverbrauch rechnen. Tagsüber bei der Arbeit nutzt du oft nur einen Teil. Realistisch sind 50–70 % ohne gezielte Steuerung.
Verschattung unterschätzen. Ein Geländer, Baum oder Nachbarhaus kann den Ertrag deutlich senken — schon Teilverschattung kostet überproportional.
Anmeldung vergessen. Steckersolar muss im Marktstammdatenregister angemeldet werden — das geht seit der Vereinfachung schnell und ist Pflicht.
Quellen
- Solarpaket I (2024) — vereinfachte Regeln für Steckersolar, 800-W-Grenze.
- Globalstrahlungswerte DWD / spezifische PV-Erträge nach Region.
Schätzwert. Realer Ertrag hängt von Wetter, Verschattung und Nutzung ab.
Häufige Fragen
Meist ja. Bei rund 500 € Anschaffung und 150 € Ersparnis im Jahr liegt die Amortisation bei etwa drei bis vier Jahren — danach spart es bares Geld über die gesamte Modullebensdauer.
Je nach Ausrichtung und Region rund 480–800 kWh im Jahr. Süd und geneigt liefert am meisten, Nord oder senkrecht am Balkon deutlich weniger.
Entscheidend ist der Eigenverbrauch. Bei 65 % genutztem Strom und 35 ct/kWh sind es bei einer 800-Wp-Anlage grob 120–180 € pro Jahr.
Ja, im Marktstammdatenregister — seit dem Solarpaket I (2024) vereinfacht. Bis 800 W Wechselrichterleistung gelten die erleichterten Regeln.